Was kann getan werden, um die Bremer Galopprennbahn zu erhalten?

Start zur Unterschriftensammlung für das Volksbegehren am Karfreitag

 

Ob es sich am Karfreitag um den letzten Renntag aller Zeiten auf der Galopprennbahn in der Vahr handelt, liegt nicht zuletzt an der Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen. Deren Sprecher Andreas Sponbiel verkündete vor wenigen Tagen, dass bei dieser Veranstaltung Unterschriften für ein Volksbegehren gesammelt werden. Die Sport Welt hat nachgefragt.

 

Sport Welt: Herr Sponbiel, Sie sammeln am Karfreitag Unterschriften für ein Volksbegehren zum Erhalt der Bremer Galopprennbahn. Was bedeutet dieser Vorgang?

Andreas Sponbiel: Der Vorgang bedeutet, dass wir versuchen, über die Bürger einen Volksentscheid auf den Weg zu bringen. Dieser soll auf einem Stimmzettel zur Bremen-Wahl die Frage beinhalten, ob die Galopprennbahn bebaut werden soll oder ob ein Gesetz erlassen wird, das für diese Fläche die Nutzung für Erholung, Sport, Freizeit und Kultur festschreibt. 

 

Sport Welt: Wie ist der weitere Ablauf?

Andreas Sponbiel: Im ersten Schritt brauchen wir 4.000 Unterschriften von Bremer Bürgern. Dafür gibt es keine Zeitvorgabe, aber wir wollen zeitnah das Ziel erreichen, da die Bürgerschaft zwei Monate Zeit hat, um das Begehren zu prüfen. Falls es zu einer Ablehnung des Volksbegehrens kommt, steht uns dann der Marathon bevor, in 90 Tagen mehr als 20.000 gültige Unterschriften zu sammeln. Das geht nur mit Geldaufwand und starker Unterstützung.

 

Sport Welt: Gab es in Bremen oder Bremerhaven bereits vergleichbare Aktionen, die erfolgreich waren?

Andreas Sponbiel: Leider nein. Das ist unser Dilemma. Die Quoren sind viel höher, als in anderen Bundesländern. Vor wenigen Wochen scheiterte in Bremerhaven eine Initiative, die alle nötigen Unterschriften gesammelt hatte, an lächerlichen Formfehlern. Eine Begründung fehlte und die Adressdaten der Vertrauenspersonen waren unvollständig. Realistisch betrachtet, handeln die Juristen der Stadt Bremen nach dem Motto: "Wer suchet, der findet." Aber unser Kampf geht weiter und wir verfolgen nicht nur den Plan Volksbegehren.

 

Sport Welt: Rechnen Sie sich tatsächlich Chancen aus, dass die Stadt von der Bebauung abgehalten werden kann?

Andreas Sponbiel: Politisch sind die Würfel gefallen durch den Deputationsbeschluss, aber wir geben nicht auf. Das Volksbegehren ist wie gesagt ein Baustein. Wir von der BI Rennbahngelände sind uns sicher, wenn es zur Abstimmung zeitgleich mit der Bremen-Wahl im Mai 2019 kommt und die Bürger die Wahlmöglichkeit haben, Grün oder Beton zu wählen, werden sie sich für Grün entscheiden. Zumal es nicht gut ankommen wird, dass die Stadt viel zu früh Fakten geschaffen hat. Es gibt noch kein Gutachten, das besagt, ob man auf diesem Gelände überhaupt bauen kann! Erst im Sommer sollen erste Ergebnisse vorliegen. Sollten Probleme bestehen bezüglich Grundwasser, Fließgewässer oder seltene Tierarten, werden neue Kosten in Millionenhöhe entstehen. Als Folge stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit und das Thema Bebauung der Galopprennbahn müsste neu beleuchtet werden. Wir warten auch sehnlichst auf die Anhörung vor dem Petitionsausschuss. Bei diesem uns zugesicherten Termin werden wir mit vielen Fakten auf den 2016 völlig übereilt herbeigeführten Beschluss der Deputation eingehen, dem Rennverein zu kündigen. Eine weitere Chance zur Verhinderung des Baus ist das Thema Ausgleichsfläche. 1978 wurde das Mercedes Werk eröffnet, das im selben Ortsteil wie die Galopprennbahn liegt. Politiker aus der Zeit haben uns mündlich bestätigt, dass die Rennbahn die Ausgleichsfläche von Mercedes ist in einem stark bebauten Stadtteil ist. Finden wir einen schriftlichen Beweis, ist die Stadt in Zugzwang.

 

Sport Welt: Was ist anders als in Frankfurt, wo die Rettung der Rennbahn misslang?

Andreas Sponbiel: In Frankfurt war die Fragestellung einfacher, da es nur um den DFB oder den Frankfurter Rennverein ging. In Bremen ist alles komplexer, aber wir hätten anders als die Frankfurter Kollegen die Chance, mit einer offiziellen Wahl die Abstimmung durchzuführen und somit das Quorum an Wahlberechtigten zu erreichen.

 

Sport Welt: Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie ist Ihre Wunschvorstellung für die Bremer Galopprennbahn?

Andreas Sponbiel: Kurzfristig, dass der Bahnpächter wie in der Sport Welt im Januar angekündigt, Rennen veranstaltet. Das wäre ein wichtiges Zeichen und für uns hilfreich, wenn wir weitere Unterschriften sammeln müssen. Unsere allgemeine Wunschvorstellung ist, dass man den Weg zu einem offenen Areal mit Veranstaltungen weiterführt. Das hat die Stadt über Jahre einschlafen lassen. Warum nicht ein Konzert im Anschluss an eine Rennveranstaltung, wie in anderen Ländern? Wichtig ist auch zu betonen, dass das Atlantic Hotel zur Galopprennbahn unabhängig der Kündigung der anderen Nutzer fortbesteht. 120 Mitarbeiter stehen vor großen Herausforderungen, wenn das Gelände zur Bebauung freigegeben wird.  

 

Sport Welt: Warum engagieren Sie sich so stark? Haben Sie eine persönliche Verbindung zum Galopprennsport?

Andreas Sponbiel: Ich bin ein Vahrer Jung und damit auch mit dem Galoppsport und diesem wunderschönen Areal großgeworden. Mir blutet das Herz, das man ohne Sinn und Verstand dieses Gelände plattmachen will. 161 Jahre Tradition werden über Bord geworfen. Eine Galopprennbahn ohne Galoppsport ist absurd. Bremen ist eine liebens- und lebenswerte Stadt aber man nimmt den Bremern alles, was eben dieses ausmacht. Die Rennbahn ist nur ein Beispiel von vielen. Ich möchte, dass auch zukünftige Generationen die Möglichkeit haben, dieses Areal mit einer breiten Palette an Angeboten zu nutzen.

 

 

 

1. Die Beiräte der Stadtteile Vahr, Hemelingen, Osterholz und Sebaldsbrück haben ein Mitspracherecht bei einem so großen Bauprojekt. Anwohner sollten diese kontaktieren.

2. Anwohner können, nachdem der Bebauungsplan beschlossen wurde, Einspruch/Einrede einlegen.

3. Wichtig ist natürlich, dass an Renntagen viele Besucher in der Vahr erscheinen.

4. Finanzielle Unterstützung des Rennvereins: Weitere Sponsoren sind wichtig.

 

Hier eine Petition zum Erhalt der Bremer Galopprennbahn

 

und hier eine im Dezember gestartete Website.

Artikel aus dem Herbst:

(17.11.) Auch der Beirat Vahr lehnt die Bebauung der Galopprennbahn ab, hier der Artikel aus dem Weser Kurier.

 

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(16.11.) Ein sehr schöner Artikel aus dem Weser Report.

 

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(10.11.) Weiter geht es, diesmal wieder im Weser Report.

 

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(9.11.) Hier ein Artikel aus der Kreiszeitung. Er ist übrigens identisch mit einem Artikel, der in der Neuen Osnabrücker Zeitung zu finden ist.

 

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(8.11.) Hier weitere Links: Weser Report, Radio Bremen, Weser Kurier

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(7.11.) Ein weiterer Bericht von Radio Bremen unter diesem Link.

 

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(4.11.) Hier ist ein Bericht von Radio Bremen, der eindeutig zeigt, dass die Pläne der Stadt nicht ganz so einfach umzusetzen sind, wie die Politiker glauben. 

 

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(29.10.) Unter diesem Link finden Sie einen Artikel aus dem Weser Report.

 

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(27.10.) Ein weiterer Artikel aus dem Weser Kurier. Bitte hier klicken.

 

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(26.10.) Es zeichnet sich ab, dass die Stadt ihre Pläne mit der Rennbahnschließung nicht "einfach mal so" wird umsetzen können. Hier ein Artikel aus dem Weser Kurier, und hier ein Foto von einer kleinen Demonstration. Dass es eine Bürgerinitiative gibt, lässt auf eine langjährige Verzögerung schließen.

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© Marco Hoffmann (für die Texte)